Ich habe eben einen wirklich guten Beitrag über den Begriff “digitale Kompetenz” im Allgemeinen und in Schulen im Besonderen gelesen: klick

In dem Text wird auf einen Talk von Simon Sinek verlinkt (ihr kennt Sinek vielleicht von einem relativ alten, aber nicht weniger wahren TED-Talk über die Wichtigkeit von Motivation bei seinem Job).

Er sagt darin viele wahre Dinge, die so sehr in unserem Alltag aufgegangen sind, dass wir sie immer wieder hinterfragen sollten. Die Forderung nach Handy-freien Konferenzräumen in Unternehmen oder das Handy bei dem abendlichen Ausgehen mit Freunden zu Hause zu lassen (!) klingen ja erstmal unrealistisch, aber wenn man etwas mehr darüber nachdenkt, hat uns die Omni-Präsenz digitaler Medien auch einiger unserer Kompetenzen beraubt.

Für mich ist das Thema natürlich umso interessanter, weil Digitalisierung und der Prozess der Transformation dort hin meine Passion ist. Ich arbeite als Berater, um Unternehmen bei ihrer Digitalisierung zu unterstützten, bin für meine Freunde und Familie Ansprechpartner bei IT-nahen Fragestellungen und mache auch mein Leben gerne durch digitale Endgeräte oder Dienste einfacher oder einfach nur angenehmer. Mehr Digital heißt für mich also meistens besser.

Trotzdem oder gerade deshalb sehe ich aber natürlich auch die Schattenseite der schönen neuen Welt:

Soziale Medien

Trotz ihrer vielen tollen Möglichkeiten der globalen Vernetzung von Freunden und Familien, egal wo sie sich gerade befinden, haben Soziale Medien einen sagenhaft schlechten Ruf. Den Grund dafür kann man aber kaum bei den Medien an sich suchen, sondern vielmehr bei den Usern dieser sozialen Netzwerke . Für Hasskommentare, Mobbing-Szenerien oder schlicht zu offenherzige Präsentation mancher Benutzer kann man Facebook nun wirklich nicht anklagen. (Die Datenschutz-Problematik lasse ich hier bewusst außen vor, darum geht es mir in diesem Artikel nicht)

Der schlechte Ruf kommt davon, dass das Medium entweder schlecht oder für schlechte Dinge genutzt wird. Extreme Randgruppen können sich beispielsweise durch die starke Reichweite bei einer viel größeren Gruppe Gehör verschaffen und ihre Hetz-Parolen platzieren. Meinungsmacher haben die Möglichkeit, mit moderaten Mitteln ihre (Un-)Wahrheiten zu verbreiten und so Einfluss auf Wahlergebnisse zu haben.

Natürlich bringen neue Erfindungen meist auch Gefahren mit sich. Aber es ist doch auch sensationell, wir einfach wir uns vernetzen  können ! Ich habe letzte Woche eine Kubanerin wiedergefunden (bzw. sie mich), die ich im Kuba-Urlaub getroffen habe. Weil ich über Facebook wusste, dass sie in Stockholm lebt, konnte ich dort eine Volleyball-Freundin treffen, die aus meinem Heimatort kommt. Das sind doch die Sachen, weswegen wir diese Netzwerke überhaupt so viel nutzen.

Um diese neuen Technologien also sinnvoll nutzen zu können, müssen wir wissen, wie! Entweder hinterfragen wir Dinge sowieso kritisch und haben eine gute Erziehung genossen oder wir haben wenig Chancen. In der Schule wurde das Thema “Kompetenz in sozialen Medien” jedoch leider nicht thematisiert.

Unser Bildungssystem…

Ich habe in einem alten Artikel schonmal über Digitalisierung des Schulalltags gesprochen, weil mich das Thema einfach schon länger beschäftigt. Auf der einene Seite meine ich mit digitaler Kompetenz die sinnvolle Benutzung der technischen Hilfsmittel, um Ziele zu erreichen – das fängt bei der Auswahl des richitgen Werkzeugs an. Ich muss zunächst wissen, welche Tools es gibt, wo sie Stärken und wo sie Schwächen haben. Für jeden Einsatzzweck kann ich dann überlegen, ob und wie ich digitale Technologien einbinden möchte. Dazu sollte es eigene Fächer im Schulsystem geben! So wie es früher Werken und Nähen als Unterrichtsfächer gab, sollte es heute digitale Medienkompetenz erst als eigenständiges Fach geben und sich dann nach und nach auch in die restlichen Fächer Einzug halten.

Neben dieser technischen Kompetenz sollte es aber auch – da gebe ich der Autorin des oben verlinkten Artikels absolut Recht – eher geisteswissenschaftlich-orientierte Fächer geben, nennen wir es “digitale Ethik”, “Soziologie in digitalen Ökosystemen”, “Inhalte im Internet und ihre Bedeutung”. In diesen könnte man erlernen, welche Hintergründe es um die ganzen schicken Apps, Services, Chat-Tools gibt.

Ich glaube, wenn wir diese beiden Säulen in unser Schulsystem einbauen und unsere Kinder mit diesem Skill Set frühzeitig ausstatten könnten, erreichen wir zwei Dinge:

  1. Wir befähigen unsere nächste Generation, für die ja erst die nächste Evolutionsstufe der digitalen Dienste so wirklich relevant sein wird, bei deren Entwicklung mitzuarbeiten oder auch nur dem sinnvollen Einsatz kritisch zu bewerten.
  2. Wir schaffen es vielleicht, die Stimmung in sozialen Netzwerken zu verbessern, wenn wir die Mündigkeit der Teilnehmer dort trainieren.

 

 

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